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Buch des Monats

Mai 2020

 

Die Darmst?dter Jury hat das Buch von 

Alfred Kolleritsch ?Die Nacht des Sehens" Gedichte, zum Buch des Monats Mai gew?hlt

Mit einem Nachwort von Michael Krüger.

Wallstein Verlag, G?ttingen 2020, 90 Seiten, ISBN 978-3-8353-3672-8, EUR 18,00

Begründung der Jury:

Vor nunmehr sechzig Jahren hat der ?sterreichische Dichter Alfred Kolleritsch mit der Gründung der Literaturzeitschrift ?manuskripte“ in Graz eine noch immer aktive Zentralstation für die experimentierhungrige Literatur der Gegenwart installiert. Der hellwache Literatur-Impresario, mittlerweile 89 Jahre alt, ist aber auch ein philosophisch inspirierter Lyriker. In seinem neuen, insgesamt zw?lften Gedichtbuch ?Die Nacht des Sehens“ folgt Kolleritsch dem poetischen Motto, das er bereits 1978 formulierte: ?Meinen Einf?llen vertraue ich nicht.“ Zwar gehen seine Gedichte immer auf eine konkrete sinnliche Erfahrung, ein Erlebnis oder eine Beobachtung zurück. Aber sie gehorchen dabei nicht den Impulsen der ?Einf?lle“, sondern sie verwandeln Beobachtungen in poetische Denkbilder. In einem eindringlichen Brief an seinen Lebensfreund Kolleritsch hat Peter Handke einmal die Eigenart dieser Gedichte so beschrieben: ?Deine W?rter [..]schweben nah am Erdboden, man spürt beim Lesen allersch?nste Schwerkraft, schweres Schweben…“.

Und dieses ?schwere Schweben“ verdankt sich der subtilen Kompositionstechnik des Dichters, traditionsreiche Schlüsselw?rter der Poesie auf knappstem Raum zu bündeln und sie in spannungsreiche Konstellationen zu versetzen. ?Das Sch?ne“, ?die Hoffnung“, ?das Licht“, ?das Schweigen“ oder ?das Nichts“: All diese W?rter mit ihren weiten Bedeutungsfeldern und gro?en Assoziationsr?umen hat Kolleritsch mittels lyrischer Engführung in seinen Gedichten konzentriert. Freilich im Modus einer eigenwilligen, in sich gekehrten Reflexion, die nicht direkt auf eine fest umrissene Botschaft zusteuert, sondern auf ?Gegenwegen“ ihr Ziel erreicht: ?Sag mir etwas,/ das nicht verschwindet./Was war, ist weggeraten.“

Der für Kolleritsch so charakteristische paradoxale Buchtitel ?Die Nacht des Sehens“ verweist auf eine existenzielle Situation, in der die Erfahrung des Sch?nen noch m?glich ist, aber immer h?ufiger nur noch als Rückzugsbewegung: ?als Klang im Atmen, / als Abgesang der Ersch?pfung.“ Alfred Kolleritschs sp?te Gedichte sind anrührende kleine Lieder des Abschieds - allersch?nste poetische Schwerkraft als Buch des Monats Mai 2020.

(Darmst?dter Jury ?Buch des Monats e.V.“, Michael Braun)

 


Ma?st?be in der Welt der Bücher

Buchempfehlungen aus Darmstadt

Seit 1952 trifft sich regelm??ig eine unabh?ngige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen ein Buch besonders hervorzuheben, dessen literarische Qualit?t es verdient, ?ffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Institutionelle Basis für die ehrenamtliche Arbeit der Darmst?dter Jury ist der Verein "Buch des Monats", der am 4. Oktober 1957 von den Gründungsmitgliedern und Juroren Editha Beckmann, Karl Friedrich Borée, Bernhard von Bretano, Kasimir Edschmid, Rudolf Goldschmidt, Ernst Johann, Heinz-Winfried Sabais, Hans-Joachim Sperr, Franz Thiess, Hermann Trog und Fritz Usinger nach fünfj?hriger Juryt?tigkeit ins Leben gerufen wurde. Mitglieder dieses Vereins sind au?erdem weitere Autoren, auch Buchh?ndler, Verlage sowie literarische interessierte Personen.

Ihre Aufgabe sieht die Jury vor allem darin, belletristische Bücher auszuw?hlen, die eine besondere Aufmerksamkeit verdienen. Mit der Auszeichnung ?Buch des Monats“ soll diesen Büchern zu einer gr??eren Verbreitung verholfen werden. Dabei f?llt die Wahl nicht unbedingt auf literarische Bestseller. Es sind eher die stilleren Büchern, die den Juroren besonders auffallen. Manches Buch wird durch die Auszeichnung ?Buch des Monats“ erst erfolgreich. Nicht Trends bestimmen das Votum, es ist allein die literarische Qualit?t. Die unterschiedlichsten Formen in der ganzen Breite des Genres – Erz?hlung, Roman, Lyrik, Reisebeschreibung, Essay, Tagebuch, Briefe und auch Memoiren – werden berücksichtigt.

Fast lückenlos ist die monatliche Auszeichnung seit Oktober 1952 verliehen worden, nur im Juli 1955 und im Juli 1956 gab es kein ?Buch des Monats“.

In der Reihe ?Darmst?dter Schriften“, herausgegeben vom Kulturamt – Magistrat der Stadt Darmstadt sind bisher vier Publikationen zum Buch des Monats, Nr. 12 (1962), Nr. 15 (1965), Nr. 53 (1986) und Nr. 71 (1997), erschienen. In diesen Dokumentationen sind die bis 1997 ausgezeichneten Buchtitel festgehalten, Erl?uterungen aus der Praxis der Jury sowie Einführungen zu ausgew?hlten Büchern und Leseproben, darüber hinaus auch die Biographien der Jurymitglieder nachzulesen.

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Buch des Monats

Die Darmst?dter Jury:

Peter Benz
Michael Braun
Oliver Jungen
Hanne F. Juritz
Adrienne Schneider
Dr. Tilman Speckelsen
Dr. Gerhard Stadelmaier
Dr. Hajo Steinert
Wolfgang Werth

Kontakt zur Gesch?ftsstelle über buchdesmonats@hotmail.com

Wichtige Mitteilung
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